Nenes Stroke

(Start des Buches)

Chinesischer Brunnen

Brunnen in der Anlage des Taoist-Tempels in Cebu City


Dennis bereitete sich gerade auf seine Breakdance-Vorführung vor. “Harte Arbeit, schweißtreibend und anstrengend.” meinte er. Wobei Dennis normaler Arbeit eigentlich lieber aus dem Weg ging. “Da macht man sich nur schmutzig und schwitzt dabei.” Und solange seine Schwester Ninja sich in Dubai, zwar unter übelsten Bedingungen, für die Familie ins Zeug legte, blieb das auch so! Aber für Breakdance machte er eine Ausnahme in Sachen Schwitzen. Es war seine Leidenschaft. So hatte er nun lange und hart trainiert, dass er bei einer Veranstaltung für ein paar Minuten alles zeigen durfte, was er und seine Kumpels so drauf hatten. Eigentlich war das objektiv gesehen, zwar nichts weltbewegendes und es gab auch keine großen Preise oder gar ‘Entdeckungen’, aber das spielte für ihn keine Rolle.

Die ganze Bedeutung für Dennis und seine Umgebung wurde daran sichtbar, dass er seine Mutter Nene unbedingt dorthin schleppen wollte. Denn Nene hatte bereits einen Schlaganfall. Sie war früher immer schnell auf 180, hatte sich auch nicht gerade verantwortungsbewusst ernährt, doch wer in den Philippinen tat das schon. Seit ihrem Schlaganfall konnte sie aber kaum noch laufen und ’sprach wie ein Roboter’, sagten ihre Kinder. Trotzdem brachten Dennis Freunde seine Mutter da hin, denn das sollte sie unter keinen Umständen verpassen! Es war zwar gnadenlos heiß – nein viel mehr: es drückte eine tropische Schwüle und in dieser Menschenmenge empfand man das als unerträglich. Die Vorführungen begannen zunächst mit verschiedenen Gruppen. Immer ein Stück und dann wurde gewechselt.

Plötzlich Unruhe in der Zuschauermenge, was war denn da los? Schnell bildete sich in der Zuschauermenge eine verdichtete Menschenmasse. Was war passiert? Nene hatte wohl die Schwüle nicht ganz verkraftet und war ohnmächtig umgekippt. Man rief einen Krankenwagen und ein Kumpel von Dennis fuhr mit, da der noch gar nichts von dem Vorfall wusste und man ihn in dem Moment auch nicht erreichte. Denn er wartete noch auf seinen Auftritt.

Der Fahrer des Krankenwagens wollte jetzt wissen, wo er die Patientin hinbringen sollte, denn das war letztlich eine Frage des Geldes. Der Kumpel meinte ins ‘Perpetual Succor Hospital’.
Der Fahrer antwortete “Das ist aber eine private Klinik! Die ist nicht billig!”
Der Kumpel wusste von Dennis, dass der bei Problemen immer Unterstützung von seiner Schwester erhielt. Auch die Medikamente die Nene sonst nehmen musste, bezahlte sie.
“Egal, die Patientin hat eine Tochter, die im Ausland arbeitet. Die zahlt alles!”
“Na, dann ist ja gut!”

Bildausschnitt in der Taoist-Anlage in Cebu

Bildausschnitt in der Taoist-Anlage in Cebu

Als sie in der Klinik ankamen, war Nene noch immer ohne Bewusstsein. Dennis und dessen andere Schwester Evangeline, wurden bereits vom Kumpel wegen seiner Mutter informiert. Der Arzt in der Notaufnahme diagnostizierte sehr schnell, dass Nene einen ‘Stroke’ hatte, also einen weiteren Schlaganfall. Er sagte “Ich muss ihr Infusionen geben, wenn sie eine Chance haben soll! Aber wer bezahlt das, Du?”
“Ich bin nur der Freund ihres Sohnes. Ich habe kein Geld!”

“Gut, dann sagst Du mir Bescheid, wenn jemand mit Geld kommt. Denn dann muss der erst mal die notwendigen Infusionen vorne an der Kasse bezahlen und eine Anzahlung für die Aufnahme im Hospital leisten. Erst dann darf ich weiter behandeln.” Der Arzt verschwand wieder, denn wenn niemand bezahlen würde, dann konnte auch keiner mit teuren Medikamenten behandelt werden!

In der Zwischenzeit hatte Dennis seinen Vater telefonisch erreicht und ihm geschildert, was für Probleme es um Nene gab. Er traf fast zeitgleich mit Dennis und Evangeline im Krankenhaus ein. Sie gingen zum Arzt und ließen sich über Nenes Zustand informieren.

Der Arzt fragte wieder “Wer bezahlt?”
Eddie meinte, er hätte kein Geld, außerdem sei Nene zwar seine Frau, aber sie lebten nicht mehr zusammen.
Dennis ergänzte “Ich habe auch kein Geld!”
Dann blieb ja nur noch Evangeline übrig, doch die erklärte auch gleich “Ich habe kein Geld, aber vielleicht kann ich Ninja erreichen. Die ist in Dubai und unterstützt uns.”
Der Arzt sagte “Leute vergeudet keine Zeit! Denn wenn Eure Mutter noch eine Chance haben soll, dann muss ich jetzt was tun! Also gebt mir ganz schnell Bescheid.”

Evangeline rief in Dubai an “Ninja, ruf mich ganz schnell zurück. Unsere Mutter ist im Krankenhaus und ich habe kein Load.”
Kurz danach klingelt Evangelines Handy, Ninja ist dran “Was ist los bei Euch? Wieso Krankenhaus?”
“Mama ist umgekippt und liegt jetzt bewusstlos hier. Der Arzt sagt, er muss was spritzen, das aber viel Geld kostet. Du musst uns ganz dringend helfen!”
Ninja fragt “Und wie soll ich Euch helfen? Ich bin gerade bei der Agentur, die mich hierher vermittelt hat. Denen habe ich gesagt, dass ich nicht eine Minute mehr für meinen bisherigen Arbeitgeber arbeiten werde. Diese Drecksau, hat …” sie beginnt zu schluchzen und bekommt einen Weinkrampf …

(Fortsetzung im Buch)