Schwanger

(Ausschnitt aus dem Kapitel)

Carabao

Carabao

Eine alte Schulfreundin Vilmas hatte bereits einige Kinder und musste sich bei der letzten Entbindung vom Arzt wohl ein paar deutliche Worte anhören. Offensichtlich sprach er über ‘Verantwortungslosigkeit’ und ‘Gedanken machen’ zu Ivy, wie sie hieß. So begeistert hörte sich das jedenfalls nicht an, als sie das erzählte.

“Stell Dir mal vor: der sagte sogar was von Sterilisieren!” Ihr Mann fände das nicht gut. “Der mag eben Kinder.” meinte sie.
“Ich auch,” dachte sich Stevaro, als Vilma ihm das hinterher berichtete “aber deshalb muss ich ja keine ganze Fußballmannschaft haben!”

Doch das ist genau das Thema, wo den beiden hier in den Philippinen aber jedes mal der Hut hoch gehen könnte. Denn bei soviel Verantwortungslosigkeit, Gedankenlosigkeit und Dummheit, kann man dabei nicht mehr ruhig sitzen bleiben und auf irgendeine Einsicht hoffen!

Aber hier ist es eigentlich wie überall auch, dass die wenigsten Dinge ohne Hintergrund erzählt wurden, sondern meistens hatten die Gespräche irgendein bestimmtes Ziel, auch wenn man es nicht sofort erkannte! Denn auch Ivy hat noch mehr zu berichten, als sie zunächst verlautbaren ließ. Sie erzählte dann Vilma, die Stevaro später das ganze berichtete, dass sie wieder schwanger sei.
“Na Mahlzeit – Volltreffer! Und wie willst Du Deine Kinder denn ernähren?” fragte Vilma gleich nach.
“Ach irgendwie wird es schon gehen.”
Zu deutsch “Keine Ahnung – aber davon sehr viel!”

Vilma kannte das inzwischen von so vielen Fällen, dass sie selbst kein Verständnis für solch dümmliches Gequatsche hatte.
“Ist ja kaum fassbar. Da wirst Du jetzt schon nicht satt und wenn die Kinder größer werden und mehr Essen brauchen, was machst Du dann? Dann brauchen die mehr Kleider, müssen in die Schule usw. Sorry, ich verstehe Dich nicht, warum hast Du denn nicht nach dem letzten Kind, das Angebot des Arztes angenommen und Dich sterilisieren lassen?”
Ivy meinte “Da wird doch geschnippelt und dann tut das sicher weh!”
Vilma könnte aus rasten und fasst es nicht mehr “Und das Kind mit dem Du jetzt schwanger bist, entbindest Du schmerzfrei auf Knopfdruck? Statt wie das sonst üblich hier ist, in einem Aufwasch mit der Entbindung zu erledigen, gehst Du nach Hause und wirst wieder schwanger?”

Ältester Stadtteil Cebu Citys: Colon

Ältester Stadtteil Cebu Citys: Colon

Klar, auch das hat Vilma inzwischen erst wieder lernen müssen, nach fast 15 Jahren Auslandsaufenthalt: man entscheidet so wichtige Dinge gerne nach philippinischer Art, was so viel heißen mag wie, wir vertagen das Thema auf “ein anderes mal – vielleicht”. Na Buang! (”Das ist verrückt!”)

Nun, fairer weise sollte man dann doch noch zu Ivys Ehrenrettung sagen, dass sie nach ihrer letzten Entbindung verhütete, soweit man das so bezeichnen konnte. Denn clever wie sie war, setzte sie die preiswerte und ‘höchst zuverlässige’ Kalendermethode zur Verhütung ein, wie viele andere Frauen hier auch. Auch Vilma hatte solch einen Spezialfall in der Verwandtschaft, mit einschlägigen Erfahrungen. “Die erlaubt sogar die Kirche!” meinte Ivy.
Vilma antwortet ihr zynisch darauf “Dann kann die Kirche ja auch die Patenschaft für die mit dieser Methode gezeugten Kinder übernehmen!”

Ivy berichtete, irgendwann hätten sie und ihr Mann den Kalender nicht gefunden, … und nun schwanger! Das Kind wollte sie nun aber doch unter keinen Umständen bekommen, denn womit sollte man auch das ernähren und durchbringen? Also Abtreibung!
Vilma dachte zunächst an einen Hörfehler und fragt nach “Erlaubt das auch die Kirche?” …

(Fortsetzung im Buch)