(Ausschnitt aus dem Kapitel)
Nachdem Vilma und Stevaro bei Fahrern immer nur ‘Pleiten, Pech und Pannen’ verzeichneten, ging es im zurückliegenden Jahr, schwer bergauf. Eigentlich fuhr Stevaro hier zwar selbst mit dem Auto, hatte aber immer abends und am Folgetag Schmerzen in den Schultern. Die nahe liegende Frage danach, “warum Vilma nicht fährt?” konnte man ganz kurz beantworten: In Deutschland fuhr sie immer mit Automatik und ihr momentanes Auto hatte eben Schaltgetriebe.

Der Nissan Urvan vor einem großen Baum
…
Um Fälle wie diesen zu vermeiden, hatten Vilma und Stevaro ja ihren Fahrer Nong und falls der im Auto säße, während jemand beim fahrenden Auto eine Bodeninspektion machen wollte, dann wäre er derjenige dem man den Scheitel verpasste. Nong war schon 56 Jahre alt und fuhr etwas vorsichtiger. Und immerhin, seit fast einem Jahr bereits! Da man als Autohalter eventuell auch noch in Mitleidenschaft gezogen werden könnte, war das Auto offiziell auf einen Schwager auf einer anderen Insel angemeldet. Während der Schulferien, die rund zehn Wochen dauerten, schickten sie Nong nach hause, aber das wusste er von Anfang an. Da er zuvor Taxi fuhr, sagte er damals, das wäre kein Problem, das kann er dann auch mit Taxifahren überbrücken.
Während der langen Ferien also, wer hätte es gedacht, meldete er sich mehrmals, um sicher zu stellen, keine Fahrt zu verpassen und rechtzeitig zurück zu sein. Nun, die Schule begann und Nong kam um 6:00 Uhr morgens. Um 7:00 Uhr sollte er die Kinder zur Schule bringen, was er in der Zeit dazwischen macht? Auto putzen, Nase popeln, pinkeln, keiner weiß genaues. Vielleicht war ihm zu hause einfach zu langweilig?
Auch sonst war der Beginn nach den Ferien so, wie Vilma und Stevaro Nong schon vor den Ferien kannten: “Oh, der Reis ist leer” oder “Kind muss zum Doktor” oder “Omma auf ‘ner Insel verstorben” und 1.000 andere Synonyme für “Mann, bin ich abgebrannt, gib mir mal was Vorschuss”. Aber so kannten sie ihn und schmunzelten darüber. Vilma, blieb trotzdem hart! Falls er mal einen guten Tag erwischte mit einer überzeugenden Ausrede, gut dann bekam er mal für zwei oder drei Tage Vorschuss – aber mehr gab es nicht!
So suchte Nong seine Schlupflöcher. Als Vilma ihm mal 20 Pesos gab, mit denen er am anderen Morgen für 5 Pesos etwas mitbringen sollte, endete das folgendermaßen: Ware war da und einwandfrei – Wechselgeld? Versoffen, verzockt oder sonst wie verbraucht! Nun nicht dass sie wegen 15 Pesos Theater machten, hätte er gefragt, hätte es bestimmt eine Lösung dazu gegeben. Aber ungefragt und kommentarlos? Man denke was man möchte.
Also Freitag war Zahltag. Da sie in den Ferien die Haushaltshilfe der ausgezogenen Nachbarn übernahmen, berichtete sie ihnen hier und da mal Geschichten, die sie sonst nicht gehört hätten. So auch, dass ihr Mann im Dezember angeschossen wurde, sie zwei Kinder hatte und als ‘Maid’ die einzige Einkommensquelle der Familie war. Sie wohnte nur eine Minute zu Fuß weg, sodass sie auch von anderen Nachbarn etwas über sie erfuhren. Ihr Mann hat sich bei der Arbeit, im Suff mit dem Securityguard angelegt, wo er mangels Waffe den Kürzeren zog. Vielleicht fühlte er sich ja als moralischer Sieger, aber seitdem ist er arbeitslos und wurde mehrfach operiert.
Seine Frau Tess konnte als ‘Maid’ putzen, waschen, kochen und ackern wie sie wollte und selbst wenn Vilma in extra große Spendierhosen steigen würde, ab und an bekam sie tatsächlich was zusätzlich in Form von Naturalien, war klar: zu hause ging es knapp zu!
So verwunderte es auch nicht allzu sehr, dass sie mit ‘Avon’ etwas dazu verdienen wollte. Also ergab sich dann vor einiger Zeit, dass ihr Fahrer Nong Kosmetika für seine Frau bei ihr kaufte, als sie noch nicht in ihren Diensten war. Man verrät kein Geheimnis, wenn man die Antwort auf die nahe liegende Frage vorweg nimmt: Nein, er konnte sich das nicht leisten und versprach aber, wie überall auf den Philippinen typisch, später zu bezahlen, mit Betonung auf ’sehr viel später’.
Tess konnte zwar rechnen, nahm aber trotzdem keinen Zins, was aber ein Fehler war. So erfuhren sie von der Sache bevor Nong aus den Ferien zurück kam. Nun war es ja so, dass Stevaro nicht alles glaubte was er sah oder hörte und sich sowieso lieber aus Angelegenheiten anderer Leute heraus hielt. Wenn sie das aber direkt mit ihm klärte sowie er und Vilma außen vor blieben, na dann …
Also, es war mal wieder Freitag und Nong bekam sein Geld. Da sie Tess helfen wollten, verschafften sie ihr eine räumlich gesehen, strategisch gute Position. Während Nong sein Geld in Empfang nahm, schoss Tess ins Geschehen und ‘hast Du nicht gesehen’, war sie stolzer Besitzer einer Anzahlung auf Nongs Schulden. Stevaro lachte sich schlapp, als Vilma ihm das erzählte.
Aber wie alles im Leben, hatte auch das seine Kehrseite. Denn Nong war leichter und ihm fehlte Geld, weshalb er keinen Schritt wich. “Äh, äh …” stotterte er und meinte, er müsse dringend eine Schultasche für seine Enkelin kaufen und deshalb brauche er unbedingt einen Vorschuss. Mist, das war doch genau die Methode wie man beim Pinkeln nass wurde! Da sie am Samstag aber wegfahren wollten, ließ sich Vilma erweichen und gab ihm das Geld für Samstag und Montag und schickte ihn nach hause.
Am nächsten Tag kam er, fuhr sie und als sie abends zurück kamen, hatte er schon wieder ’schwer bewegliche’ Beine. “Äh, äh …” der Rest der Unterhaltung, lief nach obigem Schema. Vilma sagte ihm klar “Nichts gibt’s und bye!”, was ihn aber noch lange nicht nach hause gehen ließ. Nein, er brauche den Vorschuss dringendst! Fast wäre es ein schlechter Film geworden, denn das ganze wiederholte sich nämlich noch zweimal, bevor er dann doch unverrichteter Dinge heim gehen musste …
(komplette Geschichte im Buch)
