(Komplettes Kapitel)

Koboldmaki oder Philippine Tarsier, kleine affenartige nachtaktive Tiere
“Das Leben kann ’sooo’ schön sein! Früher war ich ja arm und meine Eltern auch. Aber nun geht es uns allen viel besser!”
“Wirklich?”
“Ja!” Denn früher musste sie zur Schule und lernen, da das die einzige Hoffnung auf ein besseres Leben schien. Das musste sie aber jetzt nicht mehr, denn sie hatte ja bereits ein besseres Leben. Nun gut – es gab natürlich nichts was so perfekt wäre, dass man es nicht noch verbessern könnte. Denn früher wohnte sie zusammen mit ihren Eltern bei ihrer Tante Gloria. Jetzt wohnte sie zwar immer noch da, aber wohl nicht mehr lange. Gloria hatte ein sehr kleines Haus, musste aber keine Miete zahlen. Womit sollte sie auch eine Miete bezahlen? Sie wohnte mit ihrer Familie im oberen kleinen Zimmer, das untere Zimmer hatte sie vermietet an die Eltern von Tamara.
Meeresbrandung bei Lilioan
Denn Jose, Tamaras Vater, war im letzten Jahr auf einer anderen Insel, um Geld zu verdienen. Er konnte immer nur alle vier Wochen übers Wochenende nach hause. Während dieser Zeit flippte Tamaras Mutter, Marlin aus. “So einsam, verlassen, kein Mann und dann noch eine Tochter im schwierigen Alter …”
Sie ging oft weg, um Karten zu spielen und begann zu trinken. Und immer wenn sie am Abend beschwipst war, hing sie mit fremden Männern rum. Die steckten ihr dann etwas Geld zu. Tamara ekelte sich davor, wie sie mal ihrer Tante Gloria anvertraute. Und dann wurde aber ihre Mutter schwanger. Schlagartig war Schluss mit lustig! Denn Marlin bekam Kreislaufprobleme und trank dann glücklicherweise auch keinen Alkohol mehr. Jose musste seine Arbeitsstelle quittieren und zu seiner Frau zurück. Sofort kümmerte er sich intensiv um seine schwangere Frau, die mit seiner Rückkehr jegliche Arbeit einstellte. Die Nachbarn tuschelten: “Jose, das Kind stammt von irgendeinem anderen Kerl!” Er war nicht begeistert von dieser Meinung und sagte “Alles Tsismis” (”Alles Gerüchte!”). Trotzdem zog er sich zurück und vermied seitdem den Umgang mit diesen ‘Lügnern’.
Aber er passte ja jetzt auf seine schwangere Frau besser auf, wobei sie das teuer bezahlen mussten. Denn er konnte wegen seiner Frau nun nicht mehr arbeiten und blieb zu hause. Das Kiosk, das Marlin mal betrieb, haben sie nachdem alle Waren verkauft, verschenkt oder durch Eigenverzehr aufgebraucht waren, geschlossen. Die Einnahmen daraus erlaubten leider keinen Nachkauf mehr, nachdem Marlins Schwester ihnen die Erstausstattung spendierte. Auch den Kühlschrank, den sie mal von ihrer Schwester geschenkt bekamen, mussten sie verkaufen. Denn dieses uralte Modell hatte einen extrem hohen Stromverbrauch. Gloria, die das Zimmer vermietete, fiel damals aus allen Wolken. Denn der Strom ging zusammen über einen Zähler. Schlagartig war die Stromrechnung bei 3.000 Pesos. Sie konnte nicht zahlen und Jose ebenso wenig. Also musste Gloria und ihr Mann, bei seinem Arbeitgeber eine Abtretung an Veco den Stromlieferanten unterschreiben, damit sie über Nacht nicht im Dunkeln saßen. Seitdem werden in Raten die Stromschulden abgestottert. Aber beim nächsten Stottern, klemmen die den Strom ab – garantiert!

Chinesische Tempelfigur
Doch nun hatte ja Tamara ihren Freund. Alle, außer Gloria, waren nun glücklich. Denn die saß nämlich immer noch auf ihrer Rechnung und bekam das Gefühl, dass Geld wohl doch den Charakter verderben würde. Sie meinte “Hast Du nichts – dann hast Du Probleme. Hast Du Geld, dann hast Du noch mehr Probleme.”
Im Hause oder besser gesagt im Zimmerchen von Jose, Marlin, Tamara und dem Baby, gab es wieder zu Essen, es gab Kleider und Schuhe. Dass Tamara vor ein paar Tagen erst 14 Jahre alt wurde, nun das ist ein kleiner Schönheitsfleck, aber eigentlich nicht so tragisch, meinte Marlin, Tamaras Mutter. Immerhin war Tamaras neuer Freund doch schon über 40 Jahre alt und weiß doch was er tat! Aber sicher wusste der das, denn es ist ihnen auch zu Ohren gekommen, dass dieser Mann auf kleine Mädchen stand! Er hätte sogar gleichzeitig mehrere solch junger Freundinnen …
Stevaro gefriert das Blut in den Adern, doch: “Alles nur Tsismis?”
